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Raum 4
     
10. und 11. Jahrhundert - Wadenbinden, Beinlinge, Strümpfe
     
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Der Zerfall des Karolingerreiches führte im 10. und 11. Jahrhundert dazu, dass es kein politisches oder kulturelles Zentrum mehr gab. Die deutschen Kaiser hatten keine Residenz und zogen von Pfalz zu Pfalz. Die Päpste als die größten Feudalherren der Zeit beeinflussten zunehmend die Entwicklung der Kultur, auch die Mode geriet immer mehr unter das Zepter der Kirche.  
Annäherung von kirchlicher und königlicher Kleidung
Die enge Bindung der Kirche an die sich konsolidierende Feudalherrschaft ließ die Trachtenunterschiede zwischen den geistlichen und weltlichen Feudalherren schwinden. Der weltliche Adel gab seine kurze Tunika auf und legte, wie die Priester, die lange Tunika an. Der Leibrock des Mannes wurde nach dem Vorbild der höfischen byzantinischen Trachten länger.  
Kaiser Heinrich II.,
(973-1024)
fränkischer Bischof,
in byzantinischem
Stil gekleidet
Der lange Rock war jedoch in manchen Lebensumständen unpraktisch. So waren zum Beispiel bei der Kriegs- und Jagdtracht die Röcke kürzer und die darunter getragenen Strümpfe wurden sichtbar. Abbildungen zufolge scheinen diese aufwendigst verziert gewesen zu sein und waren vermutlich genäht.  
Bei der Jagd- und Kriegstracht erwies sich die Tunika - das lange rockartige Gewand des Mannes - als unpraktisch. Strumpfartige Hosen oder gewickelte Wadenbinden dienten der Beinbekleidung.
Die Verlängerung der Tunika zog Veränderungen anderer Kleidungsstücke nach sich. Die anfangs noch weiten Hosenbeine wurden enger und machten die Wadenbinden und das Riemenwerk überflüssig.  
Fränkisches Königspaar aus dem 10. Jahr-hundert, der König mit kurzer Tunika, darunter eine mit Wadenbinden umwickelte Hose, Beinlinge oder Strumpfhose
Nachdem man die strumpfartigen Hosen eine Zeit lang noch unterhalb des Knies mit einem Band gebunden hatte, begann man von der Hose losgelöste Beinlinge oder knielange Strümpfe zu tragen. Je länger die Tunika wurde, umso mehr büßte die Hose ihre modische Bedeutung ein und diente schließlich nur noch als Unterkleidung.  
Fränkisches Königspaar aus dem 11. Jahr-hundert. Die inzwischen unter kirchlichem und byzantinischem Einfluss stark verlängerte Tunika lässt nur wenig die stark ornamentierten und verzierten Strümpfe oder Fußbekleidung erkennen.
Im Laufe des 11. Jahrhunderts machte sich durch die Heirat Kaiser Ottos II. mit einer byzantinischen Prinzessin der Einfluss der byzantinischen Mode noch stärker bemerkbar, deren Charakteristikum eine zunehmend enger werdende Kleidung war. Eine neue Vorliebe für Prunkstoffe byzantinischen Ursprungs und eine sich daraus entwickelnde starke Farbigkeit bei der Kleidung führte zur Mi-Parti, dem Zusammensetzen der Kleidung aus verschiedenfarbigen Stoffen. Diese "Mi-Parti" fand zuerst bei den Hosen Anwendung, die zunehmend enger und, mit Füßen versehen, zu langen, an die Bruch genestelten Beinlingen wurden — die zunächst noch von den überknie- oder knielangen Röcken bedeckt blieben.  
Im Laufe des 11. Jahrhunderts fand ein verstärkter Einfluss der byzantinischen Mode statt. Wie es scheint, wurden auch lange Beinlinge unter den fast knöchellangen Gewändern getragen
   
Bis Ende des 11. Jahrhunderts, als der Feudalisierungsprozess mit den aus dem Fränkischen Reich hervorgegangenen Königreichen Frankreich und Deutschland im wesentlichen seinen Abschluss fand, hatte sich für die Kleidung eine feste hierarchische Ordnung herausgebildet. Es herrschte eine fast vollständige Übereinstimmung der männlichen höfischen Tracht mit dem Kleid der Frauen. Mann und Frau trugen meist bodenlange Gewänder. Über Auszier, Schmuck, Form und Länge der darunter getragenen Strümpfe ist nur wenig bekannt.  
Ende des 11. Jahrhunderts herrschte fast vollständige Übereinstimmung der höfischen Tracht bei Mann und Frau
     

 

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