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Raum 6
14. - 15. Jahrhundert - Männer in Strumpfhosen
   
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Im 14. Jahrhundert wurde Frankreich modebestimmend. Als Verbündeter des Königs durch wirtschaftliche und militärische Unterstützung erhielt das Bürgertum im politischen wie kulturellen Leben zunehmend größeren Einfluss. Das Rittertum war im Begriff des Niedergangs und der Adel musste viele seiner Privilegien an das aufstrebende Bürgertum abtreten. Die Stellung der Kirche war geschwächt, der Papst in Avignon kaum mehr als ein Untergebener der französischen Könige.  
Französische Männermode im 14. Jahrhundert
   

Mitte des 14. Jahrhunderts, nach Abklingen der großen Pest-Epidemie, die etwa ein Viertel der Bevölkerung Europas hinweggerafft hatte, traten die Veränderungen in der europäischen Kleidung besonders stark hervor.

Der aufkommende Zweifel an der weltlichen und göttlichen Ordnung führte dazu, dass, wer Geld hatte, wenig nach seinem Stand fragte und sich kleidete, wie es ihm gefiel.

 
Kleidung der oberen Stände im 14. Jahrhundert mit den sichtbar kürzer werdenden Männerröcken zum Ende des Jahrhunderts
 
Ständische Kleidung von Richter, Bürger und Bauer - lediglich Amts- und Würdenträger behielten Anfang des 15. Jahrhunderts noch den langen Gewandrock bei
   
Die Tracht der Patrizier - der städtischen Oberschicht - bestimmte zunehmend die Mode des 14. und 15. Jahrhunderts

Deutsche Patrizier,
1. Hälfte 15. Jh.

 

Ritter und Edelfräulein,
Anfang 15. Jh.

 

Deutsche Edeldamen, Anfang 15. Jh.

 

       

Vermittelst der Kleider war Stand und Rang der Leute nicht mehr erkennbar. Die bisher gültigen Maßstäbe des Standes und "Anstandes" in der Kleidung gingen verloren, dabei wurde die Kleidung immer enger und stärker entblößend.

Eine Kleiderverordnung Karls VII. von Frankreich vermerkt: "Es ist dem König vorgestellt worden, daß von allen Nationen der Erde keine so entartet ist, keine so veränderlich, so unmaßend, so maßlos und unbeständig in der Kleidung wie die französische, und daß man vermittelst der Kleider nicht mehr den Stand und Rang der Leute erkennt, ob sie Prinzen sind oder Edelleute oder Bürger oder Handwerker, weil man es duldet, daß jeder nach seinem Vergnügen sich kleidet, Mann wie Frau, in Gold- und Silberstoff, in Seide oder Wolle, ohne Rücksicht auf seinen Stand zu nehmen."

       
     

Jagdkleidung des Ritters,
Anfang 15. Jh.

 

Die Kleidung der städtischen Oberschicht
unterschied sich in der 2. Hälfte des
15. Jahrhunderts kaum noch
von der des Adels

Fürstliche Kleidung,
15. Jh.

 

     
       
Der Männerrock wurde kürzer und enger, um 1320 erfolgte eine Modeänderung, die von Marseille ausging, und kurze Röcke und strumpfhosenähnliche Beinkleider lösten allmählich die weiten, in der Taille mit einem Gürtel zusammengehaltenen knöchellangen Gewänder der Männer ab.  
Kürzer werdende Männerröcke, 14. Jh.
 

Ein Grund hierfür war auch in der Änderung der Rüstungen zu sehen. Das verhältnismäßig geschmeidige, gewandähnliche Kettenhemd des 12. Jahrhunderts wurde vom Plattenharnisch abgelöst, einer starren, den Körperformen nachgebildeten Panzerung. Entsprechend musste das lange Unterkleid einer knappen, geteilten Kleidung weichen. Anstelle des langen mittelalterlichen Hängegewandes tritt im 14. Jahrhundert der kurze, vorne offene und geknöpfte Rock mit Beinkleidern.
Die Historikerin Lieselotte C. Eisenbarth konstatiert: "Die unter dem Diktat der Rüstung angebahnte Entwicklung verselbständigte sich alsbald. Man erfindet Formen, die allein aus den technischen Bedingungen des Plattenpanzers nicht zu erklären sind. Die Kleidung ... verrät ein vollkommen neues Körpergefühl, eine neue Einstellung zum Körperlichen überhaupt."

       
Gewandähnliche Ketten-
hemden als Rüstung,
Ende 12. Jh.
Übergang vom Kettenhemd
zum Plattenharnisch
am Beinschutz
Starre, den Körperformen
nachgebildete Panzerung
des Plattenharnisches,
Anf. 15. Jh.
Voll ausgebildeter
Plattenharnisch,
Mitte 15. Jh.
       

Die Kleidung lag immer enger am Körper an, der Rock wurde zusehends kürzer. Innerhalb weniger Jahrzehnte schrumpfte das männliche Oberkleid derart, dass es, bislang knöchel-, wenigstens aber wadenlang, um 1350 kaum noch die Knie bedeckte und im Jahr 1376 so kurz war, dass die Mainzer Chronik darüber vermerkte: "In jenen Tagen ging die Torheit der Menschen so weit, dass die jüngeren Männer so kurze Röcke trugen, dass sie weder die Schamteile noch den Hintern bedecken."

 

 
Italienische Renaissancekleidung, 1. Hälfte 15. Jh.

 

Auswüchsen der neuen, derart das Körperliche betonenden Mode tritt die Obrigkeit durch regelmäßige Verfügungen, so genannten Kleiderordnungen entgegen. Kleidervorschriften vor 1350 richten sich gegen den Luxus, die "Hoffart" und "Üppigkeit", Kleiderordnungen des 14. und 15. Jahrhunderts versuchen der neuen Kleidungsmode Herr zu werden. 1356 etwa erließ der Rat der Stadt Speyer eine Ordnung, die den Männern verbot Röcke zu tragen, die nicht mindestens unter das Knie reichten. Beschwerden und Verordnungen fanden sich in fast allen größeren Städten und zogen sich bis Ende des 15. Jahrhunderts fort.

 

 
Italienische Renaissancekleidung, die Beinlinge sind zur Strumpfhose verbunden, 2. Hälfte 15. Jh.
Lange, weite Gewänder als Zeichen von Würde und Gravität waren lediglich nach wie vor noch die Tracht der Gelehrten, Kleriker, Richter und Magistratsbeamten - Stände und Kreise, die für Kontinuität und Bewahrung einstanden.  
Lange gewandartige Tracht eines Deutschen Gelehrten, erstes Drittel 16 .Jh
 
Lange gewandartige Tracht einer deutschen Magistratsperson, erstes Drittel 16. Jh
Bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts entstehen zwischen Unterhose und Strümpfen sichtbare Blößen und erst im Verlauf des 15. Jahrhunderts entschließt man sich dazu, die Strümpfe auch hinten über das Gesäß zu ziehen und am Rock zu befestigen. Mit dem kürzer werdenden Obergewand wurden die bislang an die "Bruch" (Unterhose) genestelten (angeknöpften) einzelnen Beinlinge zu einem einzigen Kleidungsstück, der Strumpfhose. Die Konstruktion des vorderen Verschlusses der Hose wird durch die "Braguette" - die so genannte Schamkapsel gelöst, die bis zum 17. Jahrhundert maßgeblicher Bestandteil der von den Männern getragenen Strumpf- und den späteren Oberschenkelhosen blieb und immer wieder Anlass zu obrigkeitlicher Kritik gab.  

Deutlich sichtbare Blößen zwischen Beinling und Bruch (Hose);

(Bladeliner Altar, Ausschnitt, Rogier van der Weyden) Mitte 15. Jh.

 

 
Italienische Renaissancekleidung mit Strumpfhosen, 2. Hälfte 15. Jh.
 
Schamkapsel, so genannte Braguette, seit der Renaissance Verschluss von Strumpfhose und Hose

In der Renaissance wird Kleidung zum Hauptbestandteil des Geltungskonsums, zum wirkungsvollen Ausdruck individueller Ansprüche auf Rang, Macht und Bedeutung.
Basis dafür ist der sprunghaft gewachsene Wohlstand im 16. Jahrhundert und der damit einhergehende enorme Aufschwung des Textilhandwerks. Entsprechend der Kurzrock- oder Wamsmode des Mannes kommt der Strumpfmode und Strumpfherstellung besondere Bedeutung zu.

 
Deutsche Bürgerkleidung, 1. Drittel 16. Jh.

 

 

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