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Raum 8
 
2. Hälfte 16. Jahrhundert -Strumpfhosen und Strümpfe zu Oberschenkelhosen
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Mit dem Erstarken des spanischen Königshauses zum neuen Machtzentrum des christlichen Abendlandes - durch Aufstieg zur See- und Kolonialmacht und innenpolitisch durch die Herausbildung des Absolutismus - wurde Spanien in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts modebestimmend in ganz Europa. Die bunte, lebensfroh-weltliche Individualmode wurde, beginnend in den 20er Jahren des 16. Jahrhunderts, zurückgedrängt und durch die im Geist der Gegenreformation strenge und in düsteren Farben gehaltene spanische Mode ersetzt.  
Spanische Mode mit kurzer Oberschenkel-hose, so genannter spanischer Heerpauke und darunter getragenen langen Seidenstrümpfen oder Strumpfhose,
Mitte 16. Jh.
Unter den kurzen wattierten Oberschenkelhosen, den spanischen Heerpauken, wurden feinste Seidenstrümpfe oder Strumpfhosen getragen. Wie es scheint, war Spanien zu dieser Zeit auch führend in der Strumpfherstellung.  
Deutsche Edelleute in spanischer Mode,
2. Drittel 16. Jh.
Eines der ersten Zeugnisse für gestrickte Strümpfe aus dieser Zeit ist die Schenkung einer seidenen Strumpfhose vom spanischen Hof an den englischen König Heinrich VIII. im Jahr 1539.  
König Heinrich VIII. von England, vermutlich einer der ersten Träger gestrickter seidener spanischer Strumpfhosen
Eines der ersten Zeugnisse für gestrickte Strümpfe aus dieser Zeit ist die Schenkung einer seidenen Strumpfhose vom spanischen Hof an den englischen König Heinrich VIII. im Jahr 1539. Eine Art Strumpfhose aus der Mitte des 16. Jahrhunderts befand sich in der Kostümsammlung des Historischen Museums in Dresden, gilt aber inzwischen als verschollen. Sie stammte aus dem Besitz der Kurfürsten Moritz (1521-1553) oder August von Sachsen (1526 -1586), dessen Kleiderinventar lediglich 8 Paar Seidenstrümpfe erwähnt, was die Exklusivität gestrickter Strümpfe im 16. Jahrhundert unterstreicht.  
"Strumpfhose" bzw. lange Seidenstrümpfe, die an eine aus grauem Leinen gearbeitete Unterhose angenäht sind, mit einer dreieckigen Öffnung für die Braguette, aus dem Besitz des Sächsischen Kurfürsten Moritz (1521-1553) oder August (1526 -1586)
 

Seidenstrumpf aus dem Nachlass des Kurfürsten August von Sachsen (1526-1586),
2. Hälfte 16. Jh.

Bis ins 16. Jahrhundert hinein hatte der Strumpf für den weiblichen Teil der abendländischen Bevölkerung keine oder doch nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt, da die lang herabfallenden Gewänder dieses Kleidungsstück nicht zur Geltung kommen ließen. Mit dem Aufkommen der gestrickten luxuriösen Seidenstrümpfe wurden diese nun zum neuen Objekt der modischen Begierde der Frauenwelt. Die erste Frau, die in England solche Strümpfe besessen haben soll, war Maria Stuart (1542-68), gefolgt von Königin Elisabeth I., die 1561 solche durch die Gräfin Montague zum Geschenk erhielt.

Dennoch blieben die Damenstrümpfe unsichtbar und die Frauen des 16. und 17. Jahrhunderts empfanden es als die größte Schande, wenn ihre Füße gesehen wurden. Sie achteten streng darauf, dass auch beim Gehen die Fußspitzen stets vom Saum des Kleides bedeckt waren. Selbst bei den Kutschen gab es Vorrichtungen, Falltüren, die beim Aussteigen herabgelassen wurden, um die Füße der Damen vor ungewollten Blicken zu schützen.

 
Königin Maria Stuart von Schottland
(1542-1568) - die vermeintlich erste Besitzerin gestrickter seidener Strümpfe
 
Königin Elisabeth I. von England erhielt im Jahr 1561 von ihrer Zofe, der Gräfin Montague, ihre ersten gestrickten Seidenstrümpfe geschenkt
Die Herstellung erster maschinengewirkter Strümpfe lässt sich für England mit der Erfindung eines Strumpfwirkstuhls im Jahr 1589 durch den Theologiestudenten William Lee aus Woodborough belegen. Die ersten maschinengewirkten Strümpfe waren jedoch verhältnismäßig grob und konnten gegenüber den feinen seidenen, meist handbestickten Strümpfen nicht konkurrieren.  
Maschinen gewirkte
Knabenstrümpfe
aus Seide mit eingewirkten Gold- und Silberfäden, Ende 16./Anfang 17. Jh.
     
In Italien und Deutschland finden sich um die Wende zum 17. Jahrhundert noch Variationen der spanischen Oberschenkelhose. In Deutschland neigte man dazu, die Wattierung wegzulassen, wodurch sich die Heerpauke zu einer Pluderhose entwickelte. Nach 1635 hatte sich die neue Hosenmode der mäßig weiten Kniehosen ohne Braguette und Wattierung durchgesetzt.
     
Die spanische Heerpauke
entwickelte sich in Deutschland
zur Pluderhose,
Ende 16. Jh.
Unter den Pluderhosen wurden
weiterhin Strümpfe, zum Teil
sicher auch noch Strumpfhosen
getragen, Ende 16. Jh.
Kniehosen aus der Zeit des
1. Drittels des 17. Jahrhunderts

 

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