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Raum 9
 
17. Jahrhundert
     
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Die Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) war geprägt vom Soldatentum, die Mode der Epoche eine Soldatenmode. Kein europäischer Hof war tonangebend. In Wien und Madrid traf man noch immer Höflinge in spanischer Tracht, an den anderen Höfen herrschte modische Anarchie.  
Soldatenmode zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648)
Die Kleidung der Soldaten wurde zum Vorbild der Kleidung der Männer aller Schichten. Sie war locker, körpergerecht und zweckmäßig geschnitten. Zwischen 1613 und 1623 favorisierte man als Hose die "culotte béarnaise", eine nunmehr der Körperform angepasste Pluderhose, deren Weite nicht mehr hinderlich wirkte und die unterhalb des Knies manchmal erst in der Wadenmitte durch breite dekorative Schleifen abgebunden war.  
Zu den weiten Kniehosen wurden lange, unter- oder oberhalb des Knies gebundene Strümpfe getragen,
1. Drittel 17. Jh.
 
Soldatenmode zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648)
Dazu trug man oft überdimensionierte Stulpenstiefel, die den Strumpf verbargen, der in dieser Modeepoche keine sichtbare Rolle spielte.  
Zur typischen Kleidung des ersten Drittels des 17. Jahrhunderts
gehörten lange Stulpenstiefel. Deren Rand wurde, ebenso wie die darunter getragenen Strümpfe, oftmals umgeschlagen
Wenige aus dem 17. Jahrhundert überlieferte Strümpfe zeugen dennoch von einer qualitativ hoch stehenden Strumpfherstellung.  
Strümpfe zur Mode der Stulpenstiefel mit umgeschlagenem Rand
     
Ab 1630 lösten wesentlich engere, ebenfalls überknielange Hosen die culotte béarnaise ab. Modebestimmend wurde das reiche Bürgertum Hollands, das nach seinem Triumph über die Weltmacht Spanien auf dem Höhepunkt seines Einflusses stand.
       
Handgestrickter grüner
Seidenstrumpf, mit
Silberfaden bestickt
Mitte 17. Jh.
Bestickte Seidenstrümpfe
17. Jh.
Leinenstrümpfe
17. Jh.
Bestickte Seidenstrümpfe
17. Jh.
       
Deutschland, im Dreißigjährigen Krieg Schlachtfeld aller europäischen Nationen, gelang es nicht, zur staatlichen Einheit zu finden. Als Resultat diverser Bündnisse zwischen deutschen Potentaten und dem französischen Hof bildete sich in Deutschland eine besondere Affinität zu Frankreich heraus. Wer auf sich hielt, kleidete sich nach dem Dreißigjährigen Krieg nach Pariser Vorbildern. Das war der Beginn einer europäischen Modegeschichte, in der Frankreich über die nächsten 300 Jahre tonangebend bleiben sollte.  
Ab etwa 1630 führte eine Verlängerung der Pluderhose zu überknielangen Kniehosen, die im Schnitt auch enger wurden
 
Niederländische Tracht, 2. Drittel 17. Jh. - Mäßig weite Kniebundhosen und knie- oder überknielange Strümpfe prägten die Mode nach der Jahrhunderthälfte
Eine Weiterentwicklung der soldatischen Hose aus der Tradition des Dreißigjährigen Krieges führte 1660 zur Rockhose, der "Rheingrafenhose", einem mit Bandschluppen übersäten Hosenrock. Diese fand großen Anklang am französischen Hof, entsprach sie doch genau der Effeminationstendenz adeliger Kreise, die Mitte des 17. Jahrhunderts immer weiter um sich gegriffen hatte.  
Im zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts hatte sich in höfischen Kreisen aus der Pluderhose des Dreißigjährigen Krieges die "Rheingrafenhose", ein mit Bändern dekorierter Hosenrock, entwickelt
Männer des Adels trugen Perücken oder langes gelocktes Haar, schminkten sich und bevorzugten hochhackige, schleifengeschmückte Stöckelschuhe. An den Höfen ganz Europas und im Adel orientierte man sich am Hof Ludwigs XIV.  

Die Mode am Hofe Ludwigs XIV. wurde an den Höfen ganz Europas Vorbild

   

 

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