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1949-1954 Erste Strumpfhosen der Nachkriegszeit

Die erste industriell hergestellten Strickstrumpfhosen der Nachkriegszeit basieren auf der Idee und der vorläufigen Gebrauchsmusteranmeldung der deutschen Modezeichnerin Grete Knabe aus Murrhardt und wurden von 1949 - 1951 als "Boyenne"-Strumpfhose von der Firma E. Graf Wwe. in Ellwangen unter ihrer Marke "Gräfin" hergestellt.

Die Gebrauchsmusteranmeldung vom 18. Oktober 1948 wurde aufgrund der noch nicht funktionierenden Patentannahmestelle in Darmstadt zur endgültigen Erteilung auf später verschoben. Wegen Konkurs der Ellwanger Firma und dadurch bedingten Problemen, einen anderen Hersteller zu finden, wurde von Grete Knabe der Patentschutz nicht weiter verfolgt.

Eine weitere Gebrauchsmusterschutz-Anmeldung zur Herstellung von Kinderstrickstrumpfhosen unter dem Namen "Teddy" erfolgte durch die Göttinger Firma Milotta, Vereinigte Strumpf- und Strickwarenfabriken Otto und Schöneis, 1952.

"Diese Verbindung von Strumpf und Schlüpfer ist — je nach Jahreszeit aus Baumwoll- oder Wollgarnen hergestellt — in verschiedenen Farben mit "Perlon"-verstärktem Fuß für Kinder und Kleinkinder lieferbar, für Mädel und Damen als Eislaufhose". (1952)

Die ersten, noch aus reinen Naturmaterialien gefertigten, lediglich mit Perlon zur besseren Haltbarkeit in Spitze, Fuß oder Ferse verstärkten, Strumpfhosen waren flachgewirkt oder flachgestrickt und mussten in weiteren kostenintensiven Arbeitsgängen zusammengenäht oder zum Teil noch auf einer weiteren Maschine "angefußt" werden. Dadurch hatten die ersten hergestellten Strumpfhosen eine am Bein seitlich oder rückwärtig verlaufende Naht und waren im Verhältnis zu Strümpfen teuer.

Einer der ersten seit 1952 hergestellten Kinderstrumpfhosen, anschaulich werden die Vorzüge in der Anzeige herausgestellt, die "rutschenden" langen Strümpfe beim Jungen als Negativ-Beispiel einerseits, die straff sitzende Kinderstrumpfhose beim Mädchen andererseits

Kinderstrumpfhose der Firma Auwärter und Hilt, Göppingen, 1950er Jahre

Dto., deutlich zu sehen ist die seitliche Naht und die "angefußten" Füße, der auf einer Flachstrickmaschine gefertigten Wollstrumpfhose

Kinderstrumpfhosen, zunächst noch aus reiner Wolle, finden sich für einen größeren Käuferkreis erstmals im Versandhauskatalog Neckermann für den Herbst/Winter 1953/54.

Die erste bislang in Versandhauskatalogen auffindbare Kinderstrumpfhose aus dem Neckermann Katalog 1953/54

Allerdings dauerte es noch bist Ende der 1950er Jahre, in ländlichen Gebieten zum Teil noch wesentlich länger, bis der lange Kinderstrumpf — der oftmals auch von Jungen sichtbar unter kurzen Hosen in den Übergangszeiten im Frühjahr oder Herbst getragen werden musste — allgemein von der Kinderstrumpfhose verdrängt wurde.

Ein erster Kleidungswandel - mit der Abkehr von den langen Strümpfen und der Einfluß der neu aufkommenden Strumpfhosen wird in der Jahresausgabe der Zeitschrift "Strumpf und Socke 1952" konstatiert:

"Auf dem Lande hat der lange, einfarbige Kinderstrumpf noch immer seine Domäne. Er ist in den vergangenen Wochen stark gefragt worden, und die Absatz- und Umsatzhöhe konnte sich durchaus mit derjenigen früherer Jahre messen. Der abgehärtete Landjunge verschmäht um diese Jahreszeit noch die lange Hose, und für Mädchen betrachtet man dieses Kleidungsstück auch auf dem Lande ohnehin selten als opportun.

Aber auch die kleine Städterin macht es der Mutti nach, und mit dem Rückgang der Beliebtheit der langen Hose bei der erwachsenen Frau ist der gleiche Vorgang auch bei der jungen Tochter zu beobachten. Deshalb hat der lange Strickstrumpf augenblicklich bei den Mädeln größte Chancen. (...)

Die frühere als Kinderstrumpf typische Ausführung in bräunlichen Tönungen 1/1 wird in unserer Stadt nur noch bis Größe 2 verlangt. Wobei auch hier bereits ein neuer Konkurrent in der von Müttern kleiner Kinder als sehr praktisch empfundenen Strumpfhose auftaucht. Das ist eine Kombination von Hose, Beinlängen, Füßlingen und Hosenträgern, ähnlich der Strampelhose, nur für ein etwas höheres Alter, ungefähr für den Jährling bestimmt. Sie hat den Vorzug, daß das Kleinkind von der Taille ab schützend eingehüllt wird, weil diese Hose keinen Zug am Oberschenkel durchläßt.

Für den größeren Knaben ist der Absatz langer Strümpfe sehr schwierig geworden. Das Moment, das man als zukünftiger Mann sich abhärten müßte und bis tief in den Winter oder auch bei härtesten Kältegraden kniefrei zu gehen habe, ist einer Zeit mit gewandelten Idealen zum Opfer gefallen. Aber einen langen Strumpf, der ein Leibchen und Strumpfbänder verlangt, würde der Junge dennoch nicht tragen.

Die Gesamtheit der Schulknaben hat sich gegen den langen Strumpf entschieden, und das ist eine viel schwerer zu durchbrechende Phalanx, als sie etwa eine erwachsene Verbraucherschaft darstellen würde. Hier regiert einzig und allein der Kniestrumpf mit darübergetragener Ski- oder Trainingshose. "

Lange Kinderstrümpfe für Mädchen und Jungen am "Leible" mit Gummibänder befestigt, 1912

Typische Knabenbekleidung der 1950er Jahre, Kurzhosen mit darunter getragenen langen Strümpfen, um 1952

Maßgeblichen Einfluß auf die Einführung und Verbreitung der Strumpfhose als Massenartikel war die Entwicklung und Verfügbarkeit des zu ihrer produktiven und preisgünstigen Herstellung auf Rundstrickmaschinen nötigen hochelastischen Materials - dem Helanca.

Einer der ersten Helanca Kinderstrumpfhosen, um 1958

Detail dto., rückwärtige Naht der auf einer CottonMaschine gefertigten Helanca-Kinderstrumpfhose

Detail dto., deutlich sichtbar sind außer der Naht die sogenannten "Deckblümchen" links und rechts davon - sichtbares Kennzeichen einer an dieser Stelle erfolgten Minderung der Maschen, typisches Erkennungsmerkmal eines auf einer Cotton- oder Flachwirkmaschinen erzeigten Strumpfes oder Strumpfhose

Herrenstrumpfhosen