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Herrenstrumpfhosen in der ehemaligen DDR

Interessanterweise findet die Einführung von Herrenstrumpfhosen im klassischen Strumpfherstellungsgebiet der DDR erst mit einer nahezu 20jährigen Verspätung im Vergleich zu Westdeutschland statt. Erst seit 1978 finden sich erste Belege für "DDR-Herrenstrumpfhosen".

Herrenstrumpfhose aus dem größten Strumpfkombinat der DDR ESDA, um 1980

Herrenstrumpfhose aus dem größten Strumpfkombinat der DDR ESDA, um 1980

Eine Einführung des "neuen" Artikels erfolgte bei der Leipziger Frühjahrsmesse 1978. Über die Textil- und Bekleidungsindustrie zur Leipziger Frühjahrsmesse VVB Trikotagen und Strümpfe wird berichtet:

"Attraktiv und marktgerecht ist das Sortiment Strumpfwaren für Damen, Herren und Kinder. Es steht in voller Übereinstimmung mit den modischen Tendenzen der Oberbekleidung. (...) Besonders für die kalte Jahreszeit ist die Herrenstrumpfhose mit gutem Wärmerückhaltevermögen gedacht. Materialkombinationen mit nativen Fasern zeichnen sich durch sehr gute Trageeigenschaften und eine hohe Repräsentationsgüte aus." (1978)

 

Zur Herbstmesse des gleichen Jahres heißt es über das Warenangebot des

VVB Trikotagen und Strümpfe:

"Neu im Herren-Strumpfwarensortiment sind Herren- und Knabenstrumpfhosen aus WOLPRYLA-hochbausch und DEDERON-textur. Sie zeichnen sich insbesondere durch ein gutes Wärmerückhaltevermögen aus. (1978)

 

Die Einfürung der Herrenstrumpfhossen scheint erfolgreich gewesen zu sein, da über die "Modelinie 1979 für Strumpfwaren" zur Sortimentsentwicklung berichtet wird:

"An die Sortimentsentwicklung der Strumpfindustrie wird die Forderung gestellt, in höherem Maße die Ansprüche hinsichtlich Trage- und Pflegeeigenschaften sowie modischer Attraktivität zu sichern. Die Erzeugnisse müssen sich den veränderten Lebensbedingungen und den sich neu herausbildenden Bekleidungsgewohnheiten der Verbraucher anpassen. Innerhalb dieser Entwicklung müssen folgende Hauptpunkte verfolgt werden:

(...) Entwicklung von Herrenstrumpfhosen sowie von R/L-Herrensocken aus BW/Pa-S-t, plattiert." (1978)

Die späte Einführung der Herrenstrumpfhose in der DDR resultiert vermutlich aus der auch auf anderen Gebieten zögerlichen Annahme von Neuheiten. Vielleicht wurde das Tragen von Herrenstrumpfhosen zunächst als eine westliche, verweichlichende Dekadenz betrachtet und geschmäht. Unklar ist bislang auch, ob nicht sogar ein nicht unerheblicher Teil der im Westen seit den späten 1960er Jahren angebotenen Herrenstrumpfhosen der Versand- und Großhandelshäuser, als "Hausmarken" angeboten, nicht vielleicht doch — wie bei vielen Strumpfwaren üblich — aus den Strumpf-Kombinaten der DDR stammte.

Lange Unterhosen hatten, wie es scheint, dennoch eine grössere Akzeptanz in der DDR — wie uns berichtet wurde, war das Tragen langer Unterhosen bei Angehörigen der NVA (Nationale Volks Armee) selbst im Sommer !!! Pflicht.

Lange Unterhose der NVA, 1980er Jahre

Dto., Detail

Dto., Detail

Als "Rarität" konnte das Deutsche Strumpf Museum zwei lange Unterhosen von Erich Honecker — drittletzter Vorsitzender des Staatsrates der DDR — bei einer Versteigerung seiner privaten Hinterlassenschaft erwerben.

Auszug aus dem Versteigerungskatalog, 1996

Lange Unterhose von Erich Honecker, weiße Baumwolle, rot gesticktes Monogram "EH", 1980er Jahre

Detail, rot gesticktes Monogram von Erich Honecker

Lange Plüsch-Unterhose von Erich Honecker, rot gesticktes Monogram "EH", Hersteller "VEB Trikotagen Werk Karl Marx Stadt", 1980er Jahre

Detail, rot gesticktes Monogram von Erich Honecker

Herrenstrumpfhosen ohne Fuß