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2. Zur Erfindung und Verbreitung des Handwirkstuhls

   
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Der Beginn der mechanischen Strumpfwirkerei liegt im 16. Jahrhundert und bleibt, nahezu unverändert auf dem System von William Lee basierend, bis ins 19. Jahrhundert bestehen.  
Vom Handstrick- zum Maschinenstrumpf
Erste Versuche der Mechanisierung der Strumpfherstellung erfolgten durch den englischen Theologiestudenten William Lee aus Woodborough bei Nottingham 1589 mit der Erfindung eines mechanischen Strumpfwirkstuhls. Von dieser Zeit an war es möglich, Strümpfe maschinell zu wirken.  
Darstellung von William
Lee mir seiner Familie
Der Wirkstuhl von Lee war ganz aus Eisen konstruiert und als aufrechter Stuhl mit einem Sitzbrett für den Wirker ausgerüstet. Lee‘s erster Wirkstuhl konnte in der Minute 600 Maschen bilden, ein geübter Handstricker hingegen etwa 100.  
Hölzerner Handwirkstuhl nach dem System William Lee, 17. Jh
Lee wurde das Patent, welches zur Erlaubnis für die Herstellung gewirkter Strümpfe und die Verbreitung seines Wirkstuhles in England nötig gewesen wäre, durch Königin Elisabeth I. versagt. Als Begründung führte sie die darauf nur in grober Qualität herstellbare wollene Ware an, die nicht mit dem handgestrickten feinen Seidenstrümpfen konkurrieren konnte. Vermutlich war aber die Angst um die drohende Arbeitslosigkeit von hunderten von Handstrickern bei Einführung des Lee‘schen Wirkstuhls der wahre Grund.  
Hölzerner "Rösschen-Stuhl", 18. Jh.
Lee versuchte noch 1609 seine inzwischen verbesserte Maschine in London zu etablieren. Der Stuhl konnte inzwischen Seidenstrümpfe mit 1500 Maschen pro Minute fertigen. Sein Patentantrag wurde erneut abgewiesen.  
Verbesserter
Handwirkstuhl
 
Unter Einfluss des Herzogs von Sully, Minister des Königs Heinrich IV. von Frankreich, gelangte Lee und sein Wirkstuhl 1612 nach Rouen. Er hatte zugestimmt, 8 Maschinen dorthin zu liefern und 6 englische Wirker bereitszustellen, um den Franzosen die maschinelle Strumpfherstellung beizubringen. 1615 scheint er noch mit zwei weiteren Engländern in Rouen tätig gewesen zu sein, danach verlieren sich seine Spuren, vermutlich ist er in Frankreich gestorben. Nach William Lee‘s Tod holte sein Bruder James sieben der englischen Wirkstühle und die meisten der englischen Wirker nach England zurück, wo der Wirkstuhl in den 1620er Jahren verbessert wurde. Anstatt der ursprünglichen Feinheit von 12 gauge (12gg - das bedeutet 12 Nadeln pro 1,5 inch, resp. 3,81 cm) konnten nun doppelt so feine Strümpfe mit einer Feinheit von 24 gauge hergestellt werden.
Vermutlich führten weitere Verbesserungen dazu, dass zur Bedienung des ursprünglich von zwei Wirkern betätigten Apparates nur noch eine Person nötig war.
 
Verbesserter
Handwirkstuhl
18. Jh.
 

1641 gab es in Nottingham 2 Strumpfwirkmeister, die auf einer nicht bekannten Anzahl von Wirkstühlen produzieren ließen, die meisten Wirkstühle standen jedoch in London in der Nähe des Königshofes, der Hauptabnehmer der darauf hergestellten Strümpfe war. 1660 waren 650 Wirkstühle, davon 400 in London tätig. Bis 1695 war die Zahl der Wirkstühle allein in London auf 1500 angestiegen, wobei zwischen 1670 und 1695 darüber hinaus 400 Wirkstühle nach Frankreich, Italien und Spanien exportiert worden waren, trotz eines Exportverbotes, welches König Charles II. 1663 für alle "Wirkstühle, auf welchen Seidenstrümpfe gefertigt werden konnten" erlassen hatte.

Der Wirkstuhl konnte weiter verbessert werden, so dass Ende des 17. Jahrhunderts der Wirkvorgang und damit das Maschenbild gleichmäßiger wurden, was England zur führenden Nation in der Herstellung gewirkter Strümpfe machte, die in ganz Europa als begehrter Artikel zu einem wichtigen Exportgegenstand Englands wurden.

 
Wappen der ersten englischen Strumpfwirker-
genossenschaft, links wird William Lee, rechts seine Frau dargestellt, in der Mitte eine schematische Abbildung des Wirkstuhls
 
Durch Jean Hindret, einem französischen Industriespion, gelangten 1656 Konstruktionszeichnungen des Lee‘schen Wirkstuhls nach Frankreich, wo sie ein Jahrhundert später in der Enzyklopädie von Diderot veröffentlicht wurden — und heute als einzigartige Quelle uns die exakte Kenntnis der Konstruktion des Lee‘schen Wirkstuhls aus dem 17. Jahrhundert ermöglicht. Jean Hindret eröffnete 1667 die erste Königliche Seidenstrumpfmanufaktur im Château de Madrid im Bois de Boulogne bei Paris. Von dort aus verbreiteten sich Strumpfmanufakturen in ganz Frankreich, die aufgrund eines königlichen Dekrets im Jahr 1700 auf 18 Städte beschränkt wurden, nämlich auf Paris, Dourdan, Rouen, Caen, Nantes, Oléron, Aix-en-Provence, Toulouse, Uzes, Romans, Lyon, Metz, Bourges, Poitiers, Orleans, Amiens, Reims und Nîmes.  
Die vom französischen Industriespion Jean Hindret nach Frankreich gebrachten Pläne des englischen Handwirkstuhls wurden einhundert Jahre später in der Encyclopédie ou dictionaire raisonné des sciences, des artes et des métieres von Diderot et D’Alembert zwischen 1753 und 1780 veröffentlich.
 
James Lee hatte 7 der 8 in Rouen stehenden Wirkstühle nach England zurückgeholt, der 8. Wirkstuhl gelangte mit seinem englischen Wirker nach Venedig, wurde dort nachgebaut und verbreitete sich in verschiedenen Städten Europas. Um 1700 stand ein solcher Handwirkstuhl in Dresden und wurde von einem Franzosen betrieben.  
Johann Esche
(1682-1752)
Johann Esche, dessen Vater in Limbach bei Chemnitz eine Schwarzfärberei betrieb, bekam den Wirkstuhl anlässlich des Einkaufs von Strümpfen zu sehen und baute ihn nach mehreren Besuchen und anschaulichen Studien seiner Konstruktionsweise aus Holz nach. Esche gründete eine Strumpfmanufaktur und sorgte mit dem Nachbau des Handwirkstuhls zur Gründung der überaus erfolgreichen erzgebirgischen Strumpfindustrie.  
Hölzerner Strumpfwirkstuhl, so genannter Walzenstuhl, Anfang 19. Jh.
Ende des 17. Jahrhunderts kostete ein Strumpfwirkstuhl etwa 50 bis 60 Taler und war somit auch für kleinere Meister erschwinglich.  
In Sachsen und Thüringen wurden auf hölzernen Handwirkstühlen Strümpfe noch bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts hergestellt

 

Ein weiterer Anlass, der zur Verbreitung der Strumpfwirkerei in Deutschland führte, war die Verfolgung der französischen Protestanten nach der Ermordung König Heinrichs IV. und der Aufhebung des Edikts von Nantes (1685). Zahlreiche der in der Strumpfwirkerei tätig gewesenen Hugenotten flüchteten nach Deutschland und brachten außer der Kenntnis der Strumpfherstellung die dazu nötigen Wirkstühle mit.

Erst die allgemeine Verbreitung des Handwirkstuhls im 17. Jahrhundert führte dazu, dass zunächst die genähten Strümpfe, später auch die handgestrickten Strümpfe durch gewirkte Strümpfe verdrängt wurden.

 
Die Herstellung handgewirkter Strümpfe war oftmals Heim- und Familienarbeit und wurde neben dem Betreiben einer kleinen Landwirtschaft ausgeübt. Während der Vater wirkte, sorgten die Kinder für die Garnherstellung, die Mutter nähte die Strümpfe zusammen.

3. Zur Geschichte des Hand-Wirkstuhls

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