Alle Texte und Bilder unterliegen dem jeweiligen Copyright
Verwendung der Texte nur mit ausdrücklicher Genehmigung

5. Zur Geschichte der mechanischen Rund-Wirkmaschinen

 
 
vergrößerte Abbildungen öffnen in neuem Fenster!
Ein Nachteil des Flachwirkstuhls war, dass nach jeder Maschenreihe der Kulierapparat umkehren musste und so immer wieder Zeit verloren ging bis zur neuen Maschenerzeugung. Eine Verbesserung fand statt mit der Wandelung der geradlinig gestreckten Nadelreihe in einen ringförmig geschlossenen Nadelkranz - mit der Schaffung des Rundwirkstuhls. Es konnte nun ein stetig fortlaufender Maschenbildungsprozess erreicht werden. Die prinzipielle Umgestaltung des Flachwirkstuhls in einen Rundstuhl entsprang dem Gedanken, den Arbeitsprozess zu vereinfachen und die Produktion zu vergrößern.  
 
Aus technischen Gründen wurden die meisten Rundwirkstühle mit einem verhältnismäßig großen Durchmesser hergestellt. Entsprechend spielten sie bei der Strumpfherstellung eine untergeordnete Rolle. Ihr Haupteinsatzgebiet war die Herstellung von Schlauchware mit großem Durchmesser, wie sie in der Wäsche- und Trikotagenfabrikation benötigt wurde.  
Rundwirkmaschine mit Kurbel-Handantrieb, Fouquet & Frauz, Rottenburg/N., um 1875
Dennoch gab es auch Rundwirkstühle mit kleinerem Durchmesser, die zur Herstellung von billigen, nahtlosen Strumpfwaren Verwendung fanden. Man erzeugte darauf auch Schlauchware, aus der so genannte Schnittstrümpfe hergestellt wurden. Dem Rundwirkstuhl folgte später die Rundstrickmaschine.  
Kleinrundwirkmaschine für Heimarbeit
 

Trotz Aufkommen der schneller produzierenden Rundwirkstühle blieb den Flachwirkstühlen die Erzeugung der besseren, regulären - der nach der Beinform geminderten - Ware vorbehalten.

1798 Der Franzose Decroix erhielt ein Patent auf den vermutlich ersten Rundwirkstuhl.

1803 Dem Franzosen Aubert gelang die Herstellung einer Maschine für rundgewirkte Ware, die auf der Ausstellung in Paris vorgeführt wurde.

1808 konnte von dem Pariser Uhrmacher Leroi die Maschine von Aubert mit der Erfindung des ersten Maschenrades (Mailleuse) zu einer gleichmäßigeren Fadenzuführung verbessert werden.

1816 ließ Marc Brunel eine kleine Hand-Rundwirkmaschine, "Le Tricoteur", patentieren, die auf einen normalen Tisch montierbar und für die Herstellung rundgewirkter Strümpfe in Heimarbeit konzipiert war.

 
Mechanisch betriebener Rundwirkstuhl mit 3 Arbeitsköpfen zur gleichzeitigen Herstellung von 3 rundgewirkten Schläuchen, 2. Hälfte 19. Jh.
 

1845 wurde vom Belgier Peter Clausen (Brüssel) Brunels System verbessert und ein Musterapparat für diese Maschine patentiert.

1845 gelang dem Franzosen Honoré Fouquet in Troyes die Perfektionierung des Maschenrades und die Entwicklung eines damit ausgerüsteten Rundwirkstuhls. Nach seiner Übersiedlung nach Stuttgart und dem Aufbau einer Maschinenfabrik wurden dort nach Erfindung des großen Maschenrades im Jahr 1856 Rundwirkstühle mit großem Durchmesser zur Trikowarenfabrikation hergestellt. 1873 übersiedelte die Firma, inzwischen unter dem Namen Fouquet & Frauz nach Rottenburg/Neckar.

1867 entstand durch den Franzosen Lebrun ein Rundwirkstuhl mit Minderapparat zur Herstellung gedeckter und geschnittener Ware, z.B. Füßen und Fersen in Strümpfen. Die darauf herstellbaren Erzeugnisse wurden halbreguläre Ware genannt.

1869 wurde für Beck und Reinhardt in Hohenstein ein sächsisches Patent auf eine Mindermaschine für den Rundwirkstuhl erteilt. Das Mindern der Schlauchware geschah mit dem Umstellen des Maschenbildungsapparates von einer loseren zu einer dichteren Maschenart, wie dies auch bei den später aufkommenden Rundstrickmaschinen möglich war.

Bei diesen kleinen Schlauchmaschinen hatte man meist nur ein Arbeitssystem zur Verfügung, weshalb man in der Musterung sehr beschränkt war.

 
Anzeige, 1951
 

1877 entwickelte der Strumpfhersteller Zwingenberger in Ernstthal, Sachsen, ein einfaches Verfahren zur Herstellung von Pressmustern für Kleinrundwirkmaschinen.

1878 war es möglich, darauf auch Petinetmuster zu erstellen.

1881 war mit der Verwendung eines Ringelapparates die Herstellung von Ware mit Ringelmuster möglich geworden.

Obwohl die Maschinen wegen ihrer Geschwindigkeit Bewunderung erfuhren, konnte darauf nur ein gleichmäßiger Schlauch gestrickt werden, der aufgeschnitten und zu Strümpfen zusammengenäht werden musste, so genannte cut-ups, die als minderwertige Strümpfe in großer Zahl auf den Markt kamen.

 
Funktions-Schema der Erstellung eines Schnittstrumpfes
 
6. Zur Geschichte der Flachstrickmaschinen

 

zurück