Alle Texte und Bilder unterliegen dem jeweiligen Copyright
Verwendung der Texte nur mit ausdrücklicher Genehmigung

7. Rundstrickmaschinen

   
   
vergrößerte Abbildungen öffnen in neuem Fenster!
Handrundstrickmaschinen  
   
Als "Rundstrickmaschinen" finden wir zunächst kleine französische und englische Handmaschinen, welche meist zur Fabrikation von rundgeschlossenen Strumpflängen herangezogen wurden. Die ersten Rundstrickmaschinen stammen aus den 1860er Jahren, waren mit Hilfe einer Kurbel handbetrieben und konnten nur für die Erzeugung eines schmalen gleichbleibenden Warenschlauches eingesetzt werden. Geniale Erfinder brachten aber bald Verbesserungen an und gestalteten die Maschinen so vollkommen, dass man auf ihnen auch ganze Strümpfe ohne Naht fertigen konnte.  
Hand-Rundstrickmaschine, um 1870
   

1866 konnte mit der in Sachsen patentierten Rundstrickmaschine von Mac Nary zum ersten Mal ein Verfahren angewendet werden, das den Weg zur Herstellung eines nahtlosen Strumpfes mit eingearbeiteter Spitze und Ferse zeigte.

1867 kam die Handrundstrickmaschine von D. Bickford auf den Markt.

 
Hand-Rundstrickmaschine der Chemnitzer Strumpfmaschinenfabrik
   
Alle diese zuerst für den Handbetrieb eingerichteten Rundstrickmaschinen erfuhren insbesondere in Amerika und England, später auch in Deutschland große Verbreitung. Für die Herstellung billiger, nahtloser Strümpfe und Socken wurden sie mit ganz kleinem Zylinder gebaut und lieferten nur Strümpfe oder Socken in glattgestrickter Ausführung.  
Hand-Rundstrickmaschine zur Herstellung gemusterter, geringelter oder gerippter Strümpfe, um 1880
   

1878 war die Herstellung gemusterter Ware, insbesondere Rechts-Rechts-gestrickter Strümpfe oder Ränderware, etwa Socken mit angearbeitetem Rippenrand, auf der Maschine des Erfinders D. Griswold möglich geworden. Mit der Maschine konnten schon fortlaufend aneinander hängende Strümpfe gestrickt werden.

Diese handlichen und praktischen kleinen Hand-Rundstrickmaschinen wurden unter marktschreierischen Namen wie "Rekord", "Expreß" oder "Rapid" vertrieben.

 
Mechanisch betriebene dreiköpfige französische Rundstrickmaschine
   
Mechanische Rundstrickmaschinen  
   
Seit etwa 1870 konnten Socken auch schon halbautomatisch und fortlaufend auf Rundstrickmaschinen produziert werden. Die Strickteile mussten von Hand voneinander getrennt und die Fußspitzen zusammengenäht werden. Wenige Jahre später kamen vollautomatische Maschinen zur Sockenherstellung auf den Markt, die Strümpfe und Socken mit geschlossenen Fersen und angestrickten Spitzen anfertigen konnten. Lediglich die Strumpfspitzen mussten noch geschlossen werden, was entweder durch das maschengenaue Zusammennähen der noch offenen Spitze auf Extra-Maschinen, so genannten Kettelmaschinen erfolgte, oder bei qualitativ minderwertigen Strümpfen durch Zusammennähen auf einer Nähmaschine geschah.  
   
Die Mechanisierung und Automatisierung der Rundstrickmaschinen erfolgte Ende der 1880er Jahre. Am eifrigsten wurde zuerst in Amerika die selbsttätige Warenabnahme, Einstellung der Schlossteile, Veränderung der Maschengröße und das Umstellen von einer Maschenart zur andern angestrebt. Es entstanden so nach und nach selbsttätig arbeitende Rundstrickmaschinen, so genannte Strumpfautomaten.  
   
1892 baute die Stuttgarter Firma C. Terrot Söhne die erste vollautomatische Rundstrickmaschine "Boas King", bei der man bereits den Nadelzylinder gegen eine andere Teilung auswechseln konnte.  
Erste vollautomatische Rundstrickmaschine "Boas King" der Stuttgarter Firma C. Terrot Söhne,
um 1892
   
1900 konnte mit Hilfe von selbsttätig arbeitenden Ringelvorrichtungen auf den Einzylinder-Rundstrickmaschinen Schlauchware mit Farbmusterungen erzeugt werden. Einzylindermaschinen sind Apparate zur Herstellung von rundgestrickten einflächigen Strick- und Strumpfwaren mit beschränkter Mustereinrichtung.  
Katalog des englischen Strumpfmaschinenherstellers
Wildt & Co., um 1900
 
Rundstrickmaschine "Record" der englischen Firma Wildt & Co.
um 1900
   
"Standard" - Rundstrickmaschine
Rundstrickmaschine "Corona"
Strumpf-Rundstrick-Automat "Maxim"
Automatische Strumpfstrickmaschine "New National"
Die "Ideal"- Rundstrickmaschine
         
1910 waren die "Standard-Maschine" und die "Corona" von Schubert & Salzer, Chemnitz, die "Invincible" und "Maxim" der Firma G. Stibbe and Co. Ltd., Leicester, die "New National" von E. Dubied, Couvet, sowie das System "Ideal" der Firma G. Hilscher, Chemnitz, die modernsten Einzylinder-Rundstrickmaschinen, die bei der Strumpfherstellung zum Teil auch die Fersen- und Spitzenbildung schon automatisch durchführten.
   

Die Herstellung gerippter Schlauchware und Sportstrümpfe war erstmals mit der Maschine "Simplex" der englischen Firma Wildt & Co. möglich geworden.

1920 kam mit der "Autoswift" der englischen Firma William Spiers, Leicester, die erste Doppelzylinder-Rundstrickmaschine mit mehreren Arbeitssystemen für gemusterte Links-Links-Ware auf den Markt. Doppelzylinder-Maschinen sind ein

besonderer Typ von Rundstrickmaschinen, die mit zwei Nadelzylindern arbeiten. Es entsteht ein doppelflächiges Links/Links-Gestrick oder je nach Arbeitsgang auch eine einflächige Rechts/Links-Ware.

System nennt man die Arbeitsstelle einer Rundstrickmaschine, an der eine Maschenreihe gebildet wird. Von der Anzahl der Systeme hing die Arbeitsgescnwindigkeit und die Möglichkeit der Verwendung unterschiedlich farbiger Garne ab. Eine dreisystemige Rundstrickmaschine ermöglichte zum Beispiel die Verarbeitung bis zu drei verschiedenfarbiger Garne in einer Maschenreihe.

Die "Autoswift" fand größtes Interesse in der Strumpfindustrie — als erste Rundränderstrickmaschine zur vollautomatischen Herstellung gerippter und gemusterter Strümpfe und Socken.

 
Mehrsystemige Rundstrickmaschine "Autoswift" der englischen Firma William Spiers
 
Mehrsystemige Rundstrickmaschine "Standard" mit Jacquard-Einrichtung der Firma G. Hilscher, Chemnitz, 1920/30er Jahre
   
Seit den 1920er Jahren begannen sich in Deutschland die in England entwickelten Doppelzylindermaschinen zur vollautomatischen Herstellung gerippter und bereits auch mehrfarbig gemusterter Strümpfe allmählich durchzusetzen. Etwa zeitgleich wurde die Produktion automatischer Doppelzylindermaschinen auch von der sächsischen Maschinenbau-Industrie aufgenommen. Diese neue Generation von Maschinen wurde "Strumpfautomaten" genannt.  
Betriebsanleitung
des englischen Strickmaschinenherstellers Bentley, 1934
 
Strickstrumpfautomat "Komet" der englischen Firma Bentley, 1934
   

 

Strickstrumpfautomat "Lester"
Mehrsystemiger Strumpf-Rundstrickautomat "Maxim"
Vollautomatische Rundstrickmaschine "Ideal"
Vollautomatische Rundstrickmaschine "Ideal"
       

Unter den wichtigsten Erfindern und Maschinenbauern waren in den 1920er Jahren

in Nordamerika:
Scott and Williams Inc., New York; Wildmann, Norristow; Rob. W. Scott, Boston;

in England:
G. Blackburn and Sons, Nottingham; G. Stibbe, Leicester; W. Spiers;
Moses Mellor; Wildt and Co. Ltd., Leicester;

in Deutschland:
E. Barth, Chemnitz; G. F. Grosser, Markersdorf; G. Hilscher, Chemnitz; Chemnitzer Strickmaschinenfabrik; Schubert und Salzer, Chemnitz; C. A. Roscher, Mittweida;

und in der Schweiz:
E. Dubied, Couvet.

   
 Rundstrickmaschinen zur Feinstrumpfherstellung
   

Waren in den ersten Jahren zunächst glatte Strümpfe und Socken in starker und mittelfeiner Qualität erzeugt worden, machten ständige Verbesserungen der Rundstrickmaschinen auch die Herstellung relativ feiner Damenstrümpfe möglich. Allerdings war das Maschenbild ungleichmäßiger als bei den Cottonstrümpfen, auch neigten die rundgestrickten "Feinstrümpfe" aus Seide oder Kunstseide zur Streifenbildung. Die Formgebung bei den Rundstrickmaschinen war gegenüber der von Flachwirkmaschinen stark eingeschränkt und konnte nur durch Vergrößern, bzw. Verkleinern der Maschen erreicht werden. Erklärtes Ziel bei der Herstellung rundgestrickter Strumpfwaren war jedoch, so nahe wie möglich an die Passform des Cottonstrumpfes zu kommen.

 

 
"Maxim"- Automatische Einzylinder-Rundstrickmaschine der englischen Firma G. Stibbe & Co., Leicester, zur Herstellung nahtloser Socken und Strümpfe, um 1920.
1910 versuchte man die Nachahmung einer Minderung mit Hilfe einer Einrichtung zur selbsttätigen Einarbeitung einer Scheinnaht.  
   
1915 Mit der Rundstrickmaschine der amerikanischen Firma Scott & Williams "Modell K" konnten Damenfeinstrümpfe vom Rand bis zur geformten Ferse samt Sohle und Spitze in einem Arbeitsgang hergestellt werden, lediglich das Spitzenschließen musste noch extra erfolgen. Eine Besonderheit war, dass der Doppelrand bei der Herstellung von Damenfeinstrümpfen automatisch hergestellt werden konnte.  
"Modell K" der amerikanischen Firma Scott & William - die erste Rundstrickmaschine zur Herstellung von nahtlosen Damenfeinstrümpfen, um 1915
   
1930 konnten bei einer Leistung von 300 Maschenreihen pro Minute Feinstrümpfe bis zu einer Feinheit von 30 Denier gefertigt werden
 
"Corona"-Strumpfautomat der Chemnitzer Maschinenfirma Schubert & Salzer, um 1930
 
Übersicht der auf den "Corona"-Strumpfautomaten herstellbaren Damenstrümpfe und Herrensocken, um 1930
   
Qualitativ hochwertige nahtlose Feinstrümpfe konnten erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Aufkommen plastifizierbarer Chemiefasern wie Nylon oder Perlon produziert werden. Diese wurden etwa seit 1952 hergestellt und verdrängten bis Ende der fünfziger Jahre die bis dahin nahezu ausschließlich auf Cottonmaschinen produzierten Feinstrümpfe mit Naht.  
   
Bis zum Zweiten Weltkrieg befanden sich fast alle namhaften deutschen Hersteller von Strumpfwirk- und Strumpfstrickmaschinen in Sachsen. Nach der Teilung Deutschlands gab es in Westdeutschland so gut wie keine Strumpfmaschinenindustrie. Zunächst wurden - sobald die finanziellen Möglichkeiten gegeben waren - gebrauchte Maschinen aus England oder Amerika importiert. Erste Maschinenbaufirmen wurden in Westdeutschland erst nach der Währungsreform 1948/49 gegründet. Zum bekanntesten Hersteller von Maschinen für die Feinstrumpfindustrie wurde die Göppinger Firma Boehringer, die seit 1952 Cottonmaschinen produzierte.  
Reimportierte amerikanische Cottonmaschine beim Entladen
1949
 
Cottonmaschine der Augsburger Maschinenbaufirma Boehringer, um 1952
   
Doppelzylinder- Strickstrumpfmaschinen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg von der Firma Eppinger in Denkendorf, von der Firma Keller & Knappich in Augsburg und von der Firma Merz in Hechingen für den großen Bedarf einer sich neu etablierenden westdeutschen Strick-Strumpfindustrie hergestellt. Einzylindermaschinen zur Herstellung der seit Mitte der 1950er Jahre aufkommenden rundgestrickten Damenfeinstrümpfe bauten die Firmen Merz, Hechingen und Krenzler in Wuppertal.  
Katalog der Denkendorfer Maschinenbaufirma Gottlieb Eppinger
 
Prospekt der Hechinger Strumpfmaschinenfabrik Merz für die Rundstrickmaschine Mondial R3, um 1954

Zahlreiche Neuerungen fanden im Rundstrickmaschinenbau in Bezug auf Geschwindigkeit, neue Nadeltechnologie und vor allem neue Steuerungstechnik statt.

 

 
Maschinenprospekt eines vollelektronisch gesteuerten Strumpfautomaten der italienischen Firma Lonati, 1987
Mit dem Siegeszug der nahtlosen Feinstrümpfe in den 1960er Jahren entwickelte sich Italien nicht nur zum Großproduzenten von Feinstrümpfen und Feinstrumpfhosen sondern auch zu einem der Hauptlieferanten von einzylindrigen Feinstrumpfautomaten.  
Transportierbares computergestütztes Entwicklungsset zum Gestalten von Strumpfmustern, 1987.
Wichtige Lieferanten für die Strumpfindustrie wurden auch japanische Maschinenbaufirmen, die vor allem in der Entwicklung vollelektronisch- und computergesteuerter Maschinen führend waren.  
Prospekt des japanischen Strumpfmaschinenherstellers Daito Seiki, 1970er Jahre

 

Eine ausführliche Darstellung der Entwicklung von den mechanischen über die halb-elektronischen zu den voll-elektronischen Strumpfmaschinen wird im Zuge des weiteren Ausbaus in den Räumen zur Fein- und Strickstrumpfherstellung erfolgen.

 

zurück