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4. Perlon

     
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1927 schuf Professor Dr. Hermann Staudinger mit seinen Forschungen zur Atomstruktur der Wolle die theoretischen Voraussetzungen zur Herstellung vollsynthetischer Fasern.   Professor Dr. Hermann Staudinger
       
1931 wurde von den Chemikern Hubert und C. Schönburg im Agfa-Werk, Wolfen ein Verfahren entwickelt, bei dem sich erstmals ein aus dem Steinkohleteer entwickelter Stoff verspinnen ließ. Diese erste vollsynthetische Spinnfaser war eine Polyvinylchloridfaser, PeCe-Faser genannt, und wurde von der I.G.-Farben unter Schutz gestellt und ab 1934 in steigendem Maß in den Handel gebracht. Diese Chemiefaser hatte bereits einen großen Teil aller jener Eigenschaften, die das später entwickelte Nylon und Perlon auszeichneten. Allerdings eignete sie sich aufgrund des geringen Schmelzpunktes nicht zur Herstellung von Textilien und wurde in erster Linie für technische Zwecke eingesetzt.   Broschüre zur PeCe-Faser, der Vorläufer-Faser von Perlon
  Broschüre zur PeCe-Faser, der Vorläufer-Faser von Perlon
       


Schematische Darstellung der Herstellung von Perlon

       
1938 Erfindung von Perlon durch den deutschen Chemiker Dr. Paul Schlack bei I.G. -Farben.   Paul Schlack, Erfinder von Perlon
       

Der Ausgangsstoff Caprolactam, gewonnen aus dem Phenol des Steinkohlenteers, wird unter hohen Temperaturen zu Roh-Perlon polymerisiert, in geschmolzenem Zustand durch feine Düsen gepresst und erstarrt dann an der Luft zu festen Fäden.

Nur wenige Monate nach der Entdeckung wurde der erste Versuchsstrumpf, wenig später die ersten technisch ausgereiften Damenfeinstrümpfe in der Oberlungwitzer Firma LBO hergestellt. Die Erfindung wurde geheimgehalten und unter dem Codenamen "Perluran" - aus dem später die Bezeichnung Perlon wurde - während der Kriegsvorbereitungen Hitlers zum militärisch wichtigen Material erklärt.

  Caprolactam oder Nylonsalz, der unmittelbare Ausgangsstoff zur Herstellung von Perlon
  Das Caprolactam wird in den Fülltrichter eines Schmelzkessels eingefüllt
  Polymerisation in der Kunstseidefabrik Bobingen, 1950
       
Eingesetzt wurde es als Gewebe für Hochdruckschläuche in Flugzeugreifen, als zähe Borsten für die Reinigung von Waffen und für Bänder und Seile bei Fallschirmen - aber auch zu Damenstrümpfen als Weihnachtsgeschenk 1943 für die Frauen der I. G.- Farben-Manager und zur Verstärkung der Socken der deutschen Wehrmachtssoldaten. An eine zivile Nutzung des Perlons war zunächst nicht zu denken.   Spinndüse zur Herstellung der Perlonfäden.
  Spulmaschine, auf welcher der Perlonfaden aufgewickelt wird, 1950
       
1949 begann der schnelle Aufbau der deutschen Perlon-Industrie. Die Kunstseidefabrik Bobingen stellte im 2. Halbjahr 1949 bereits 10 bis 15 t Perlonfaser her. Mit der Verfügbarkeit des ersten deutschen Perlons kamen auch die ersten Perlon-Damenfeinstrümpfe auf den Markt. Pionierarbeit leisteten auch die Vereinigten Glanzstoff-Fabriken A.G. mit der Errichtung ihrer Werke 1949 und 1950 in Obernburg und Oberbruch bei Aachen zur Herstellung von endlosen Perlonfäden, wie sie die Cottonstrumpfindustrie brauchte.   Ein Teil der Streckvorrichtung
Der Hauptanteil der Produktion lag bei Perlongarnen mit 60 und 30 den. Auch feinere Garne mit 20 den wurden bereits hergestellt. Als weiterer wichtiger Hersteller hatten die Farbenfabriken Bayer im Juni 1950 die Großproduktion der "Bayer-Perlonfaser" aufgenommen.   Bei einer anderen Aufbereitung von Kunstseide und Perlon werden die Fäden vieler Spinndüsen zu einem dicken, so genannten Kabel vereinigt

Perlon wurde auch mit Wolle und Zellwolle zu "Perwollon", "Perlaine" und "Perzellon" zusammen versponnen, aber auch zu äußerst haltbaren gestrickten reinen Perlon-Socken un strümpfen verarbeitet.

  Das Kunstseide- oder Polyamidband wird wollähnlich gekräuselt
Ab etwa 1952 stand genügend Perlon in guter Gleichmäßigkeit zur Verfügung, so dass sich in diesem Jahr die Herstellung von Perlonstrümpfen und kunstseidenen Strümpfen mengenmäßig bereits die Waage hielt. Die verbesserte Transparenz und der bessere Sitz der aus Perlon gefertigten Strümpfe führten letztendlich dazu, dass Kunstseide zur Strumpfherstellung nicht mehr verwendet wurde.   Gaby "Immergut"
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Laseo-Perlonsocke
"Gewaltprobe"
Messestand
       

5. Dederon

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